„Ich möchte für eine Nussecke spenden“
01.12.2014
Auffällig ist: Kaum etwas wirkt improvisiert beim Weihnachtsmarkt der guten Taten, manches sogar ausgesprochen professionell: das Riesenzelt des Fördervereins der Freien Christlichen Schulen, Aufbauzeit 45 Minuten „mit unserem tüchtigen Hausmeister“, zum Beispiel. Oder auch die Herstellung der „Chips-Spirale“ bei der Lebenshilfe. Da spannt dann Julia Hasheminsab routiniert eine Kartoffel auf eine Halterung. Am anderen Ende treibt ein handelsüblicher Bosch-Bohrer die Erdfrucht durch ein Schälmesser.
Schlaglichter vom Fest des Ehrenamts
Huberta Leyh kann sich noch gut daran erinnern, wie das war vor 28 Jahren. „Jede Woche starb ein Kind.“ Seitdem hat sie das Taubstummenheim im rumänischen Hermannstadt zu ihrer persönlichen Angelegenheit gemacht. In einem langen Mantel steht sie beim Weihnachtsmarkt der guten Taten in der Oberstadt. Wenn man die Schilder vorn und hinten an ihrem langen Mantel liest, weiß man, worum es ihr geht. Erklären muss sie eigentlich nicht viel. „Ich nehme immer für zehn Euro“, sagt eine Kundin und bekommt dafür 20 Lose. „Sie kriegen ja mehr zurück als sie spenden“, sagt ihr Huberta Leyh. „Jede Niete bedeutet ein Tagesessen für ein Kind.“ Dass die Gewinne nicht immer zielgruppengerecht ausfallen, nimmt man halt in Kauf. Ein ältererer Herr hat gerade seinen Gewinn abgeholt und präsentiert ein blaues Kinderplanschbecken. Das jüngste Enkelkind ist aber 22 Jahre alt. Das Planschbecken muss also irgendwie wieder in den Weihnachtsmarkt der guten Taten eingespeist werden.
Bei der Friedensgruppe dagegen ist am Vormittag ein bisschen Grundlagenarbeit gefragt. Einstieg ins Gespräch: „Ich möchte für eine Nussecke spenden.“ Das macht dann 50 Cent, und es folgt die Frage: „Von welchem Verein steht Ihr hier denn?“ Bernd Benscheidt und Wolfgang Utsch erklären das geduldig. Gemeinsam wird dann überlegt, ob Deutschland nicht doch der größte Waffenexporteur der Welt ist, zumindest in Relation zur Einwohnerzahl. Die Information über die Projekte, in diesem Fall Spenden für das „Hammer Forum“ für kriegsverletzte Kinder, gehört nicht nur bei der Friedensgruppe zum Kerngeschäft.
Auffällig ist: Kaum etwas wirkt improvisiert beim Weihnachtsmarkt der guten Taten, manches sogar ausgesprochen professionell: das Riesenzelt des Fördervereins der Freien Christlichen Schulen, Aufbauzeit 45 Minuten „mit unserem tüchtigen Hausmeister“, zum Beispiel. Oder auch die Herstellung der „Chips-Spirale“ bei der Lebenshilfe. Da spannt dann Julia Hasheminsab routiniert eine Kartoffel auf eine Halterung. Am anderen Ende treibt ein handelsüblicher Bosch-Bohrer die Erdfrucht durch ein Schälmesser.
Das sind dann die Schlaglichter, die diesen so besonderen Weihnachtsmarkt noch besonderer machen.
Quelle: Florian Hesse, Lüdenscheider Nachrichten vom 01.12.2014




