Individualität ist der Schlüssel
22.04.2016
Das Autismus-Therapie-Zentrum der Lebenshilfe Lüdenscheid veranstaltete am Mittwoch, den 20. April 2016 von 09. bis ca. 17.30 Uhr im Kulturhaus Lüdenscheid einen Fachtag zum Thema „Autismus und Familie – Im Spannungsfeld von Chaos und Ordnung“. Über 100 Besucherinnen und Besucher, darunter Betroffene, Angehörige und Fachkräfte waren gekommen, um sich in verschiedenen Vorträgen und Workshops über das Thema zu informieren. Einig waren sich alle Referenten und Anwesenden in dem Punkt, dass nur frühzeitige Angebote eine wirkliche Unterstützung sein können.
Vor vollem Haus begrüßte Doris Mähler, zweite Vorsitzende des Aufsichtsrats der Lebenshilfe Lüdenscheid, die zum Teil weit gereisten Besucherinnen und Besucher im Kulturhaus der Stadt Lüdenscheid. In ihrer Einführung stellte sie besonders die Verbundenheit der Lebenshilfe Lüdenscheid zu Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung heraus. Sie betonte „Ihr Platz ist dort, wo wir sind“, bevor sie das Wort an die erste Referentin, Dr. Christine Preißmann, übergab. Die Allgemeinmedizinerin und Asperger -Autistin schilderte in ihrem sehr offenen und anschaulichen Vortrag über ihr Leben. Sie stellte dabei heraus, dass besonders individuelle Hilfen und strukturierte Tagesabläufe für sie und die meisten Autisten sehr hilfreich seien. Nur passende Rahmenbedingungen würden es möglich machen, dass „auch wir glücklich sein können.“ Nach einer kurzen Kaffeepause, in der viele diesen bewegenden Vortrag erst einmal reflektieren mussten, berichtete Beate Hilzenbecher von ihrer Arbeit am BBW Volmarstein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an diesem Berufsbildungswerk müssen sich für eine nachhaltige Integration ihrer Schülerinnen und Schüler mit Autismus auf den 1. Arbeitsmarkt stets die Frage stellen: „Wie finden wir die Schnittstelle zwischen den Welten?“. Im Vortrag sowie in der anschließenden Fragerunde wurden viele Beispiele für diesen Übergang anschaulich dargestellt.
Nach dem Mittagessen, währenddessen sich viele auch an den Ständen im Foyer weiter informierten, verteilten sich die Besucherinnen und Besucher auf die beiden Workshops „Geschwister-Kinder“ mit Marlies Winkelheide und „Herausforderndes Verhalten“ mit Dipl. Psych. Johannes Heinrich. Winkelheide beleuchtete dabei die Problematiken, die sich häufig bei Geschwistern von Kindern mit Autismus ergeben. „Man muss auch den Geschwisterkindern gerecht werden, denn die sind oft diejenigen, die die Familien zusammenhalten.“ Bei Heinrich hingegen standen der autistische Mensch und seine Beziehung zu seinen Assistenten im Zentrum. Er fragte „Was braucht das Team?“ denn auch für das Team müssten die Rahmenbedingen so sein, dass sie Menschen mit Autismus überhaupt eine Stütze sein könnten.
Im anschließenden Vortrag stellte Patric Selbach anhand vieler praktischer Beispiele den TEACCH-Ansatz vor. Diese Therapie und Methode zur pädagogischen Förderung von autistischen und in ähnlicher Weise Kommunikations-behinderter Kinder sieht er als „Hilfe zum Verstehen und Handeln“. Um die „TEACCH-Brille richtig aufzusetzen“ bedarf es aber auch seiner Ansicht nach stetiger Individualisierung. Dr. Ralph Hantschmann, medizinischer Leiter und Neurologe, sieht sein Team und sich dabei als „Dolmetscher zwischen Kind, Familie und Umwelt“. Aus seiner Erfahrung wäre eine intensive Behandlung in sehr jungen Jahren deutlich besser, als die in Deutschland verbreitete Standard-Therapie. Darüber hinaus sei „ohne Vernetzung eine gute Therapie nicht möglich. Und dies ist unsere Aufgabe und nicht die der Eltern.“
In der abschließenden Fragerunde wurde sehr deutlich, welchen nachhaltigen Eindruck die unterschiedlichen Vorträge auf die Fachtags-Teilnehmer gemacht hatten. Viele waren begeistert von der Vielzahl der neuen Denkanstöße und Ideen. Sie bedankten sich deshalb bei Raphaela Mund und ihrem Team von Autismus-Zentrum mit einem herzlichen Abschluss-Applaus.




